Die Grundschule im Herzen des Artlandes
Badbergen ist eine Gemeinde im Mittelpunkt des schönen Artlandes, im nördlichen Landkreis Osnabrück, mit ca. 4.600 Einwohnern. Badbergen liegt an der B 68 südlich von Quakenbrück. Zum Einzugsgebiet der Schule gehören die Ortsteile Grothe, Lechterke, Wulften, Grönloh, Wehdel, Langen, Vehs und Groß Mimmelage.
...und das ist unsere Geschichte:
Ein Jahr vor dem Ausbruch des Dreißigjährigen Krieges wird 1617 erstmals für Badbergen ein Schulmeister genannt: Johann Calenberg, ein Lutheraner aus Thüringen. Anlässlich einer Visitation der Gemeinde 1625 durch den Generalvikar des Katholischen Osnabrücker Fürstbischofs Friedrich Eitel Kardinal von Zollern-Sigmaringen, versprach Calenberg alles Gute und das katholische Glaubensbekenntnis.
Von einem Schulhause ist im Visitationsbericht keine Rede. Wahrscheinlich aber fand auch damals schon die Unterrichtung der Kinder in einem der zahlreichen Speicherbauten auf dem Friedhof bei der Kirche statt, wie es später immer wieder, bis weit in das 19. Jahrhundert hinein, bezeugt ist. Die räumliche Nähe der Schulhäuser zur Kirche kennzeichnet allgemein bis in das 20. Jahrhundert hinein das Schulwesen als ein kirchliches Unternehmen.
Schon früh galt der bäuerlichen Bevölkerung des Artlandes allgemeine Schulbildung für die persönliche Lebensführung als durchaus erstrebenswert, für die Wirtschaftsführung als notwendig. Es genügte einem Artländer Bauern im 18. Jahrhundert schon nicht mehr, nur dreschen, pflügen, säen und fahren zu können, um einem Colonat - einem Hofe - vorzustehen. Er konnte, wie Pastor Block 1762 für den Bauern Söhnke in Wulften bezeugt, auch lesen und recht gut schreiben.
Die noch zahlreich auf den Höfen erhaltenen Schriftdokumente aus bäuerlicher Hand bezeugen auch eindrucksvoll eine durchaus schriftkundige ländliche Bevölkerung.
Bereits für das 17. Jahrhundert liegt uns ein schönes Zeugnis vor: Joannes Boudet SJ, Rektor am katholischen Gymnasium Carolinum zu Osnabrück, bezeugt darin 1676 dem Lutheraner Johannes Vette aus Lechterke im Kirchspiel Badbergen Studien in Sprachwissenschaften und allgemeiner Philosophie, und, dass Vette mit einzigartiger Bescheidenheit, Gewissenhaftigkeit und Ausdauer in den Wissenschaften gute Fortschritte gemacht habe.
Die Grundlagen solcher herausragender Bildungswege wurden in den heimatlichen Kirchspielsschulen gelegt, von tüchtigen Schulmeistern. Ein solcher Schulmeister war beispielsweise Johann Heinrich Thöle, der erste an einem Seminar ausgebildete Lehrer in Badbergen. Anfänglich erntete er aus der Elternschaft bittere Vorwürfe wegen seiner neuen Lehrmethoden, die er eingeführt hatte. Seine Gegner tadelten, dass er zuviel erkläre und zuwenig auswendig lernen lasse. Das bewog ihn, sich und seine Schüler am 25. März 1808 einer öffentlichen Prüfung zu unterziehen, damit der nachdenkende Zuhörer erfahren könne, wie sein Unterricht beschaffen sei. Das Interesse und der Andrang an dieser Prüfung war in der Bevölkerung so groß, dass er den Unterricht kurzerhand in die Kirche verlegen musste. Der Erfolg war auf seiner Seite.
Nach dem Dreißigjährigen Krieg wurde Badbergen für doppelpfarrig erklärt und mit der Einrichtung der beiden Konfessionsgemeinden, der evangelischen und der katholischen, wurde Schule entsprechend doppelt gehalten. Die anfänglich ebenfalls von weltlichen Kräften geführte katholische Schule wurde 1784 in eine Vikarieschule umgewandelt, mit einem Geistlichen als Lehrer. Erster Schulvikar war Johann Arnold Joseph Gieseke; ihm folgten elf weitere Vikare im Amt des Schulmeister, bis gegen Ende des 19. Jahrhunderts wieder weltliche Kräfte den Unterricht zu versehen hatten.
Die ersten Schulgebäude waren ihrem Zweck entfremdete Speicherbauten auf oder am Rand des Friedhofs bei der Kirche.
So schenkte der Rentmeister und Vogt Wilhelm Schmidt 1656 ein von ihm gekauftes Speichergebäude auf dem Friedhof der katholischen Gemeinde als Schulhaus. Erst im Jahre 1866 erfolgte bei der neu erbauten katholischen Kirche der Neubau einer "Vikarie-Schule" in Massivbauweise; 1910 kam es zu einem weiteren Neubau, nunmehr getrennt von der Kirche, an der Bahnhofstraße, mit einem Klassenraum und Lehrerwohnung.
Die evangelische Gemeinde errichtete auf dem Kirchhof ihr erstes eigentliches Schulgebäude im Jahre 1661 auf ausdrücklichen Befehl des evangelischen Fürstbischofs Ernst August I. aus dem Hause Braunschweig-Lüneburg. An gleicher Stelle wurde 1854 ein aus zwei Klassenräumen und Lehrerwohnung bestehendes Schulgebäude massiv errichtet. Diesem Schulhaus folgte 1907 ein weiterer Bau, jetzt getrennt von der Kirche, an der Hauptstraße, mit drei Schulzimmern und zwei Lehrerwohnungen. 1926 kam es hier zu Erweiterungen in mehreren Bauabschnitten.
Unter der NS-Herrschaft fanden die Bekenntnisschulen auch in Badbergen ein Ende; mit der Errichtung einer "Christlichen Simultanschule in Badbergen" 1938 sollte diese Schule für alle Zeiten sein ein Hort der Erziehung zur Volksgemeinschaft im Sinne von Blut und Rasse, zur Treue und Einsatzbereitschaft für Staat und Führer.
Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges kam es im Jahre 1949 zur Wiedererrichtung der beiden Bekenntnisschulen als "Katholische" bzw. "Evangelische Volksschule". Doch bereits 1966 wurden beide, nunmehr durch freien Beschluss der Eltern, zur "Schule für Schüler aller Bekenntnisse" vereinigt.
In den zurückliegenden Jahrzehnten hat das Schulwesen durch verordnete Reformen vielfach strukturelle Änderungen erfahren: Seit 1963 firmierte die Schule in Badbergen als zentrale Schule für das ganze Kirchspiel; Schüler ab dem sechsten Jahrgang besuchten nach ihrer bisherigen einklassigen Bauernschaftsschule in Wehdel, Grönloh, Talge oder Vehs die "Mittelpunktschule Badbergen".
Vorübergehend besuchten seit 1964 auch aus dem benachbarten Gehrde evangelische Schüler des neunten Jahrgangs Badbergen. In diesem Jahr wurde an den Realschulen und Gymnasien Niedersachsens für die fünften und sechsten Jahrgänge die "Eingangsstufe", an den Volksschulen die "Förderstufe" eingeführt. Ab Ostern 1965 gliederte sich die Volksschule in "Grundschule" für Schüler aller Jahrgänge eins bis vier, in "Förderstufe" für die Jahrgänge fünf und sechs und in "Hauptschule" für Schüler der Jahrgänge sieben bis neun. Mit der Einführung der "Orientierungsstufe" verlor Badbergen zwischenzeitlich die Schüler der Jahrgänge fünf und sechs, die sie nach Einrichtung einer eigenen Orientierungsstufe 1985 zurückgewinnen konnte.
Herbert Schuckmann
Bis zur Auflösung der Orientierungsstufe im Jahre 2004 gliederte sich die Badbergener Schule in drei eigenständige Stufen unter einem Dach als Grund- und Hauptschule Badbergen mit Orientierungsstufe und 10. Klasse.
Im selben Jahr, im Zuge der Schulstrukturreform, wurde beschlossen die einzügige Hauptschule auslaufen zu lassen, so dass der letzte Jahrgang dieser Schule im Jahr 2007 die zehnte Klasse beendete.


